top of page

Ängsten und schwierigen Emotionen mit Neugier und Mitgefühl begegnen

Aktualisiert: 19. Dez. 2025

„Und was soll ich tun, wenn mich diese Angst wieder heimsucht?“

Unangenehme Emotionen gehören zum Menschsein. Angst, Scham, Wut, Ekel – jede und jeder kennt sie. Niemand sucht sie freiwillig, und doch sind sie da.

Was wir oft nicht gelernt haben: Emotionen lassen sich nicht wegdenken, weganalysieren oder „lösen“, indem wir noch mehr grübeln. Sie lösen sich eher dann, wenn wir ihnen mit Mitgefühl und echter Neugier im Körper begegnen.

Das ist eine gute Nachricht. Und gleichzeitig eine unbequeme – denn sie fordert uns auf, unsere Gewohnheit des Grübelns und Kontrollierens loszulassen.

 


Emotionen wollen gefühlt werden – nicht repariert

Unser Körper spricht ständig mit uns – über Gefühle.Viele von uns haben diese Sprache nie wirklich gelernt. In der Schule gab es vielleicht „Freude“ und „Wut“. Doch das Spektrum ist viel reicher: Angst, Traurigkeit, Scham, Stolz, Ekel, Überraschung, Aufregung.

Emotionen sind keine Fehler im System. Sie sind «intelligente Aktionsprogramme», wie der Neurowissenschaftler Antonio Damasio schreibt:

«Emotionen sind praktische Aktionsprogramme, die an der Lösung von Problemen arbeiten, bevor wir uns ihrer bewusst sind. Diese Verarbeitungsprogramme sind ständig aktiv.» - Antonio Damasio

Wichtig ist dabei:

  1. Emotionen sind natürlich.

  2. Es geht nicht darum, Gefühle loszuwerden, sondern sie so genau wie möglich zu fühlen.

  3. Kein Gefühl ist endgültig. Wenn wir es wahrnehmen, ohne uns damit zu identifizieren, verändert es sich oft innerhalb von Sekunden oder Minuten.

 


Reaktion oder Antwort?

Wenn wir unangenehme Gefühle nicht fühlen wollen, reagieren wir oft automatisch: Wir greifen an, ziehen uns zurück, betäuben uns oder verlieren uns in Vorwürfen – gegen andere oder gegen uns selbst.

Achtsamkeit eröffnet einen anderen Weg. Sie schafft jenen Raum, von dem Viktor Frankl spricht:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Freiheit.“

In diesem Raum können wir antworten, statt reflexhaft zu reagieren. Und genau hier setzt eine einfache, kraftvolle Praxis an: RAIN.



RAIN – In vier Schritten mit schwierigen Emotionen umgehen

RAIN ist eine Übung aus der Achtsamkeitspraxis (bekannt durch Tara Brach), die ich als eine radikale Form von Selbstmitgefühl erlebe.

Wichtig: Beginne nicht mit der grössten Angst deines Lebens. Übe zuerst mit etwas Kleinerem.


R – Registrieren

Nimm wahr, was gerade da ist. „Ah, da ist Angst.“ – „Da ist Scham.“ Nicht mehr. Nicht weniger.


A – Annehmen

Lass das Gefühl da sein, so wie es ist. Ohne es zu reparieren, zu analysieren oder wegzudrücken. Das ist oft der mutigste Schritt.


I – Inspizieren

Richte deine Aufmerksamkeit neugierig auf den Körper. Wo spürst du das Gefühl? Ist es warm, eng, kribbelnd, schwer, stechend?

Diese neugierige Präsenz nimmt der Emotion oft bereits viel von ihrer Macht.


N – Nähren

Frage dich: Was braucht dieser verletzte, aufgewühlte Ort jetzt? Vielleicht ein freundliches Wort. Eine Hand auf dem Herzen. Ein stilles: „Ich bin da. Ich gehe nicht weg.“

 

Nach dem Regen

Nach RAIN entsteht oft ein weiter, zarter Raum. Ein Gewahrsein, das grösser ist als die einzelne Emotion. Lass dir Zeit dafür, diesen Raum zu erleben.



Vielleicht verschwindet das Gefühl nicht für immer. Aber du hast ihm zugehört – und dir selbst. Wir erfahren die Fülle des Lebens nur mit all unseren Emotionen. Nicht trotz ihnen – sondern durch sie.

«Es ist sehr hilfreich zu erkennen, dass die Emotionen, die wir haben, die Negativität und die Positivität, genau das sind, was wir brauchen, um ganz Mensch zu sein, ganz wach und ganz lebendig." – Pema Chödrön

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page